Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS
8-918).
Auch private Krankenversicherungen übernehmen i.d.R. die Kosten
(gemischte Krankenanstalt).
HEMICRANIA
chronische
Hemicrania
Das lateinische Wort Hemicrania bezeichnet einen Halbseitenkopfschmerz.
Die Hemicrania ist also eine Kopfschmerzform, die sich auf eine Kopfhälfte beschränkt.
Die einzelnen Hemicrania-Erkrankungen:
chronische parox ysmale Hemicrania (CPH) (= anfallsartige Halbseitenkop fschmerzen)
Hemicrania con tinua (HC) (= ununterbrochene Hemicrania bzw. Halbseitenkop fschmerzen)
Natürlich gibt es noch weitere Kopfschmerzarten die einseitig auftreten (z.B. Cluster Kopfschmerz, Raeder-Syndrom, Neck-tongue-Syndrom - siehe unten), aber eben nicht ganz bzw. nicht überwiegend halbseitig, so daß sie im eigentlichen Sinne nicht als Hemicrania bezeichnet werden können.
1) Chronische paroxysmale Hemicrania (CPH) (anfallsartige Halbseitenkopfschmerzen)
Diese Erkrankung wurde
erstmals 1974 beschrieben.
Charakteristische Merkmale sind streng
einseitig auftretende Kopfschmerzanfälle hauptsächlich im orbitalen (=
die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die Stir n betreffend)
und/oder temporalen (= die Schlä fe betreffend) Bereich und einer Dauer von 2 bis 45
Minuten. Die Schmerzanfälle treten mindestens 5 mal pro Tag auf.
Die IHS (Internationale Kopfschmerzgesellschaft) -Kriterien verlangen, daß die Diagnose nur dann Bestand hat, wenn während der Schmerzattacken mindestens eines der folgenden autonomen Symptome (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) auf der betroffenen Seite auftritt:
konjunktivale Injektion (= Rötung der Bindehaut)
Lakrimation (= Tränenfluß)
Nasenkongestion (= Anschoppung der Nasenschleimhaut)
Rhinorrhö (= Nasenträufeln)
Ptosis (= Herabhängen des Oberlids)
Lidödem (= Schwellung aufgrund krankhafter Flüssigkeitsansammlung)
Differentialdiagnostisch (= was außer chronisch paroxysmale Hemicrania noch an Krankheiten infrage kommt) ist auch bei dieser Erkrankung der Cluster-Kopfschmerz von Bedeutung. Bei der chronisch paroxysmalen Hemicrania ist die Schmerzattacke kürzer, tritt aber häufiger auf, auch überwiegt das weibliche Geschlecht. Cluster-Kopfschmerzen sprechen i.d.R. nicht auf Indometacin an.
Therapie bei chronisch paroxysmaler Hemicrania:
Als Mittel der Wahl gilt auch hier Indometacin alternativ das Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin.
Aber, keine Regel
ohne Ausnahme, es gibt nicht wenige Patienten, die den IHS (Internationale Kop fschmerz-Gesellschaft)-Kriterien "trotzen" (diese
Krankheit wird ja auch als sog. indometacinsensibler
Kopfschmerz bezeichnet) und
nicht auf Indometacin ansprechen.In
diesen Fällen hat sich eine intensive
therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
sehr bewährt. Dabei werden die den Schmerzbereich
versorgenden Nerven 1-2 mal täglich an ihren Austrittspunkten blockiert. Als
nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden
des Ganglion stellatum (=
eine vegetative Schaltstelle, im seitlichen Halsbereich gelegen) in Frage.
2) Hemicrania continua (HC) (anhaltende Halbseitenkopfschmerzen)
Bei der Hemicrania con tinua bestehen einseitige, chronische Kopfschmerzen von mittlerer Intensität. Bei ca. 60% der Patienten kommt es zwischendurch zu Schmerzverstärkungen, die den Grundschmerz dann überlagern. Diese Schmerzverstärkungen können von kurzer Dauer sein, jedoch auch einige Tage anhalten. Während den Schmerzverstärkungen kommt es zu autonomen Symptomen (= unabhängige, selbständige, nach eigenen Gesetzmäßigkeiten ablaufende Krankheitszeichen) wie Ptosis (= Herabhängen des Oberlids), Konjunktivalinjektion (= Rötung der Bindehaut), Lakrimation (= Tränenfluß) und/oder Nasenkongestion (= Anschoppung der Nasenschleimhaut), so daß die Unterscheidung von einem Cluster-Kopfschmerz schwierig werden kann.
Bei ca. 15% der betroffenen
Patienten tritt die Erkrankung episodenhaft auf, d.h., einer Hemicrania-Episode
folgen schmerzfreie Intervalle von Wochen bis Monate. Bei ca. 32% geht diese
episodenhafte Form in einen ständig anhaltenden Schmerz über und bei 53%
besteht von vornherein eine kontinuierliche, anhaltende Hemicrania.
Ganz selten kommt es sogar zu einem Wechsel der
betroffenen Kopfseite während des Erkrankungsverlaufes.
Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) der Hemicrania con tinua sind noch nicht sicher geklärt. Neuere Untersuchungen lassen vermuten, daß an dem Krankheitsgeschehen der erste Trigeminus-Ast beteiligt ist.
Therapie bei Hemicrania con tinua:
Als Mittel der Wahl gilt Indometacin alternativ das Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin.
Wir sehen hin und wieder
Patienten, bei denen Indometacin nicht anspricht. In diesen Fällen hat sich
eine intensive
therapeutische
Lokalanästhesie (Nervenbetäubung)
mit einem
lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittel
sehr bewährt. Dabei werden die den Schmerzbereich
versorgenden Nerven 1-2 mal täglich an ihren Austrittspunkten blockiert.
Als nächst höhere Therapiestufe kommen wiederholte Blockaden des Gangl ion
cervicale superius (= eine vegetative Schaltstelle, hinter dem
oberen Rachen gelegen) oder
Ganglion
stellatum (=
eine vegetative Schaltstelle, im seitlichen Halsbereich gelegen) in
Frage.
3) Migräne
Am häufigsten tritt eine
Hemicrania
in Form der Migräne
auf.
Dieser Halbseitenkopfschmerz
wird begleitet
von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber
hinaus kann es zu Nerven- und Sehstörungen kommen. Fast regelmäßig wird die
Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben.
Bei den meisten Patienten tritt diese Hemicrania
stets auf der gleichen Seite
auf, bei manchen aber auch wechselseitig. Es gibt aber auch Fälle bei denen der
ganze Kop f betroffen ist und so keine eigentliche Hemicrania
vorliegt.
Ätiologie (= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Migräne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Migräne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Migräne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
Migräne ohne Aura |
|
Migräne mit Aura |
|
Migräne mit typischer Aura |
|
Migräne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hemiplegische Aura |
|
Migräneaura ohne Kop fschmerz |
|
Migräne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Migräne |
|
Retinale Migräne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Migräne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hemiplegie in der Kindheit |
|
Migräne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infarkt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Migräne -Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer Migräne (Aura) gelten
Sehstörungen, (halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie Dysphasie
(= Sprachausdrucksstörungen).
Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis
30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine Migräne
mit prolongierter (=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und
weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hemiplegischen
(= mit einer Halbseitenlähmung
einhergehenden) Migräne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der Basilarismigräne gehen die Kop fschmerzen mit Krankheitszeichen
des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen, sensible oder motorische
Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die Hemicrania
bei der ophthalmoplegische Migräne (Schmerzattacken, die
mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der Migräne
zugeordnet werden kann.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in
der Kindheit (anfallsartiger Schwindel und abwechselnde Halbseitenlähmung,
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen
Migräne" kann auch ein Bauchschmerz
mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich auch ein Temperaturanstieg, ohne daß
Kopfschmerzen
vorliegen.
Bei der retinalen Migräne sind die Kop fschmerzen von
einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu
einer Stunde anhalten kann.
Als Migräne -Komplikation ist der Status
migraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der Kop fschmerzen von
mehr als 72 Stunden Dauer, trotz Behand lung. Eine weitere Komplikation ist der migränöse
Infarkt. Dieser liegt vor, wenn ein ischämischer
(= durch Blutmangel bedingter) Infarkt
nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (=
anfängliche Krankheitszeichen einer Migräne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Therapie der Migräne -Kop fschmerzen: Zunächst muß der Patient eingehend über die Migräne-Erkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.
Therapie des akuten Migräne-Anfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Mig
räne
-Kopfschmerz
es eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den
ersten Anzeichen erfolgen.
Als
Migränemittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch
mit Paracetamol, 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder
Zäpfchen). Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen)
sind als
Migränemittel
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate.
Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere M
ittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich bei stärkeren
Migränekopfschmerzen
auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit
Metamizol ist bei
M
igräne
manchmal lohnend.
Ein potentes
Migränemedikament
ist der Serotoninagonist
(= Mi
ttel, das dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirkt) Sumatriptan.
Initiale Dosierung: 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter die Haut gespitzt. Bei
Wiederauftreten von
Kopfschmerzen
maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des
relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Mig
ränemittel nicht den gewünschten Erfolg
bringen. Zwischenzeitlich gibt es zur
Migränetherapie
weitere Triptane: Zolmitriptan, Naratriptan (als
Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan, Almotriptan, Frovatriptan und Eletriptan. Zur Behandlung der
hemiplegischen, ophthalmoplegischen oder Basilarism
igräne sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische
M
igränemittel zur Kupierung der
Migräneanfälle,
wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr
einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten
pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß zur
Migränetherapie
die Verwendung von Mi
gränemittel
in Form von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin i.m. (= in den Mus
kel) oder ganz
langsam i.v. (= in
eine Blutader) versucht werden
(1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen
Migränebegleiterscheinungen
hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten in dieser
Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Wird der
Migränekopfschmerz
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid sehr wirksam, zum Einnehmen oder als
Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht an Kinder
unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz vor einem
Analgetikum (=
Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Dar
m) weiterer
verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der Dopamin-Antagonist
Domperidon verwendet werden, Tabletten oder Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich zur Mi gränebehand
lung
die Verabreichung einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS kombiniert
mit 10mg Metoclopramid und 1-2mg Flunitrazepam sehr bewährt, bei heftigen
Bei Fragen zur verschreibungsfreien
Akut-Therapie der Migräne:
www.formigran.de
Nach einem Bericht in der Zeitung "die Welt" vom 24.2.07 kann Flüssigkeitsmangel Migräne bzw. eine Migräneattacke auslösen. Nach einer Studie der Neurologischen Universitätsklinik Wien besserte sich bei 33 von 34 Migränepatienten der Migräneschmerz innerhalb von drei Stunden, nachdem sie einen halben bis dreiviertel Liter Wasser zu sich genommen hatten.
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist zur Mi
gränebehandlung
im bereits voll entwickelten, akuten An fall wenig hilfreich.
Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen Fällen
abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren bei der
Migräneerkrankung
vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (=
Nerven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Nerven
am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfe
nregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Mi
gränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht nur
auf die aktuell betroffene
Kopf hälfte zu
beschränken.
Wenn heftige Mi
gräneanfälle
gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Migränebehandlung
schmerzseitige
Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet diese Hemicrania in
einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender Migräne
an fall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam, initial zusammen mit 40mg Prothipendyl, sowie eine Tropfinfusion
mit 100 mg Tramadol, 1g ASS und 10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen
sollte mit der Gabe von Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert
werden.
Allgemeinmaßnahmen im Mi
gräneanfal
l bestehen
in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische (=
vorbeugende) Therapie der Migräne -Kop fschmerzen:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente gegen die
M
igräne
einzunehmen, so daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status migraenosus, die Mi gräneerkran
kung mit
prolongierter (=
verlängerte) Aura oder einmalig ein
migränöser Infarkt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel) aufgetreten sind.
Als Mi
ttel der ersten Wahl gelten
Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räneerkrankung. Relativ sicher wirken
Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen werden langsam
einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für Metoprolol beträgt
200mg, für Propanolol 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf
betreffende) Störungen oder einer
Bradykardie (= zu
langsamer Puls) muß diese vorbeugende
Mi
gränebehand
lung
abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher
regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise
der Beta-Blocker in Bezug auf den
Migränekopfschmerz
ist noch nicht sicher bekannt.
Zur Intervalltherapie der
Migräne-Kopfschmerzen
eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mi ttel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt).
Flunarizin sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur
bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren Mi
gräneanfäl
le
n leiden und bei denen eine vorbeugende
Mig
ränebehandlung
mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat zur
Migräneprophylaxe
nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des Migränekopfschmerzes besteht in
der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mi
ttel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen hat einen hemmenden Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im
Anfangsstadium der M
igräne.
Lisurid, ein Ergota min -Derivat,
ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im
Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns
kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur
Schmerzprophylaxe
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
Mig
räne
soll Sulpirid hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und Soyka
(1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophy
laxe" mit 250-500 mg Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis
drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin ist zur Vor
beugung des Mi
gränekopfsch merzes umstritten. So
wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur Mi gräneprophy
laxe
(=
Migränevorbeugung)
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mi
ttel gegen die
Fallsucht) Topiramat zugelassen.
Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen angewendet werden und nur
dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt) ist,
zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde. Bei der kindlichen Mig räne
sollte zur Vorbeugung das
Pestwurzmedikament Petadolex® versucht werden.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit Aura
die auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die Mi gräneanfäl
le gehäuft
(z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B.
Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung beim
Migräne
kopfschmerz
auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur akuten
Migräne
behand
lung
schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Ner ven an ihren
Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandlung durch tiefe Infiltration der oft
verspannten, an die Halswir
belsäule angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser
Migränetherapie ist
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt Procain das lang wirkende örtliche
Betäubungsmittel Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden zur Migräne -Therapie:
Meist werden die
folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
Kurze Beschreibung der Kop fschmerz -Syndrome, die zwar einseitig aber nicht halbseitig auftreten, streng genommen also nicht als Hemicrania bezeichnet werden können:
Cluster-Kopfschmerz
(Bing-Horton-Kopfschmerz):
Hauptsymptom dieser Kop fschmerzen ist der streng einseitig, in aller Regel
periorbital (= um das Auge herum)
oder frontotemporal (= im
Stirn-/Schläfenbereich) in Attacken
und vorwiegend nachts auftretende Kopfschmerz
von unerträglicher
Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden.
Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben.
Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Augenrötung,
evtl. begleitet von einer Engstellung der Pupille und Verengung der
Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als Begleitsymptome.
Raeder-Syndrom:
Die Kop fschmerzen sind im Versorgungsgebiet des
N. ophthalmicus (= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist dem Cl uster-Kop fschmerz
ähnlich.
Neck-Tongue-Syndrom (Nacken-Zungen-Syndrom):
Die
Kopfschmerzen treten
attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer unangenehmen
Hypästhesie (=
verminderte Empfindlichkeit)
der gleichseitigen Zungenhälfte begleitet. Die Ursache ist nicht eindeutig
geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige
Ausrenkung) des
Atlanto-Axial-Gelenkes (= das untere
Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2.Halswirbel, ermöglicht Drehbewegungen des
Kopfes)
vermutet (Bogduk 1981).
Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden. Zu diesem Wahlrecht gibt es mittlerweile auch ein Urteil des hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 1 KR 2/05):Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen. (Der Kläger hatte die Kur noch während des laufenden Prozesses in der von ihm bevorzugten Einrichtung auf eigene Kosten angetreten. Seine Krankenkasse wurde dazu verurteilt, ihm die Kosten für die Kur zu erstatten. Eine Revision gegen die Entscheidung ließ das Gericht erst gar nicht zu).
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