Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS
8-918).
Auch private Krankenversicherungen übernehmen i.d.R. die Kosten
(gemischte Krankenanstalt).
Wir informieren über den
MIGRÄNEANFALL
Ein Migräneanfall ist in besonderem Maße
geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich zu stören. Das
Beschwerdebild tritt nicht einheitlich auf, sondern in den verschiedensten
Variationen. Von eminenter Bedeutung ist deshalb bei
Migräne
eine genaue
Anamnese
(= Erhebung der Vorgeschichte).
Diese erlaubt nicht nur eine exakte
Klassifikation
(= Bestimmung, Einteilung),
sondern kann Hinweise auf mögliche
organische Ursachen geben und ist dann richtungsweisend für weiterführende
Untersuchungen.
Es empfiehlt sich, einen
standardisierten Fragebogen zu verwenden, um möglichst alle Kriterien zu
erfassen. Lokalisation, Dauer und Häufigkeit von
Kopfschmerzen sowie Angaben
zur Schmerzqualität sind genau zu erfragen. Für die Therapie kann die Kenntnis
spezifischer Auslösesituationen oder- mechanismen von großem Wert sein. Dazu
gehört auch die Frage nach bisherigen erfolglosen Therapieversuchen. Der
Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm Methoden, die ihm bisher keine
Erleichterung brachten, noch einmal angeboten werden.
Erfolg oder Mißerfolg
einer Migräneanfall -Behandlung wird, besonders bei Versuchen
zur Migräneanfall
-Prophy laxe (=
Vorbeugung),
erst durch Dokumentation aller
Kopfschmerzereignisse über einen längeren Zeitraum (Mig räne-Tagebuch)
beurteilbar.
Wichtig ist auch die Erhebung einer biographischen Anamnese (=
Erhebung der Vorgeschichte unter psychosozialen Aspekten),
um den Einfluß psychischer Belastungen auf das Schmerzgeschehen im Sinne einer
Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung beurteilen zu können.
Ein Migräneanfall tritt in typischer Weise bevorzugt
halbseitig (Hemicrania) auf, begleitet
von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Darüber
hinaus kann es zu Seh- und Nervenstörung
en kommen. Fast regelmäßig wird die
Schmerzqualität als pulsierend, pochend und hämmernd angegeben.
Fast jedem Mig ränepatient sind sind auslösende Faktoren bekannt,
hauptsächlich der Genuß von Alkohol, insbes. Rotwein, oder bestimmte
Käsesorten.
Ätiologie
(= Krankheitsursache) und Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) der Mig räne sind letztlich noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es hauptsächlich zwei Gruppen: Mig räne mit und ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Migräne wurde aufgegeben.Die einzelnen Mig räne -Typen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
Mig räne ohne Aura |
|
Mig räne mit Aura |
|
Mig räne mit typischer Aura |
|
Mig räne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hem iplegische Aura |
|
Migräneaura ohne Kopfschmerz |
|
Mig räne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Mig räne |
|
Retinale Mig räne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig räne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hem iplegie in der Kindheit |
|
Mig räne -Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infar kt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig räne -Kopfschmerzarten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer Mig räne (Aura) gelten Sehstörungen, (halbseitige) sensible und motorische
(= Bewegungs-) Störungen sowie Dysphasie (= Sprachausdrucksstörungen). Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30 Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.Behandlung: Zunächst muß der Patient eingehend über die Mig räne-Erkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf anamnestisch
(= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streßsituationen.Behandlung beim akuten Migräneanfall:
Nach einem Bericht in der Zeitung "die Welt" vom 24.2.07 kann Flüssigkeitsmangel Mig räne bzw. eine Mig räneattacke auslösen. Nach einer Studie der Neurologischen Universitätsklinik Wien besserte sich bei 33 von 34 Migränepatienten der Mig räneschmerz innerhalb von drei Stunden, nachdem sie einen halben bis dreiviertel Liter Wasser zu sich genommen hatten.
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist zur Mi
gränebehandlung
im bereits voll entwickelten, akuten An fall wenig hilfreich.
Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen Fällen
abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren bei der
Mig
räneerkrankung
vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (=
Nerven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Nerven
am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfe
nregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die Mi
gränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht nur
auf die aktuell betroffene
Kopf hälfte zu
beschränken.
Wenn heftige Mi
gräneanfälle
gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Mig
ränebehandlung
schmerzseitige
Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet die Mi
gräneerkran
kung in
einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender
Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam, initial zusammen mit 40mg Prothipendyl, sowie eine Tropfinfusion
mit 100 mg Tramadol, 1g ASS und 10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen
sollte mit der Gabe von Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert
werden.
Allgemeinmaßnahmen im Mi
gräneanfal
l bestehen
in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Migräneanfall -Prophy laxe (Vor beugung):
Nicht immer sind die Patienten bereit, auch im
schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so daß oftmals eine
ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung sollte nur
dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken mindestens zwei mal pro Monat
auftreten. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation auch
gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status migraenosus,
eine prolongierte (= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser Infar kt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Als Mi
ttel der ersten Wahl gelten
Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räneerkrankung. Relativ sicher wirken
Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen werden langsam
einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für Metoprolol beträgt
200mg, für Propanolol 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf
betreffende) Störungen oder einer
Bradykardie (= zu
langsamer Puls) muß diese vorbeugende
Mi
gränebehand
lung
abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher
regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise
der Beta-Blocker in Bezug auf den
Migränekopfschmerz
ist noch nicht sicher bekannt.
Zur Intervalltherapie der
Migräne-Kopfschmerzen
eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mi ttel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt).
Flunarizin sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt nur
bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren Mi
gräneanfäl
le
n leiden und bei denen eine vorbeugende
Mig
ränebehandlung
mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat zur
Migräneprophylaxe
nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des Migränekopfschmerzes besteht in
der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mi
ttel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen hat einen hemmenden Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im
Anfangsstadium der M
igräne.
Lisurid, ein Ergota min -Derivat,
ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im
Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns
kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
Zur
Schmerzprophylaxe
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
Mig
räne
soll Sulpirid hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und Soyka
(1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophy
laxe" mit 250-500 mg Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis
drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin ist zur Vor
beugung des Mi
gränekopfsch merzes umstritten. So
wird es z.B. in anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur Mi gräneprophy
laxe
(=
Migränevorbeugung)
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mi
ttel gegen die
Fallsucht) Topiramat zugelassen.
Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen angewendet werden und nur
dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt) ist,
zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde. Bei der kindlichen Mig räne
sollte zur Vorbeugung das
Pestwurzmedikament Petadolex® versucht werden.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit Aura
die auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die Mi gräneanfäl
le gehäuft
(z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente (z.B.
Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung beim
Migräne
kopfschmerz
auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur akuten
Migräne
behand
lung
schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden Ner ven an ihren
Austrittspunkten. Ergänzt wird die Behandlung durch tiefe Infiltration der oft
verspannten, an die Halswir
belsäule angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser
Migränetherapie ist
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt Procain das langwirkende örtliche
Betäubungsmittel Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden bei einem Migräneanfall:
Meist werden die
folgenden Methoden ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(=
alleinige Behandlung) ist die Wirkung in der Migräneanfall
-Behandlung in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen
Indikationen für die Akupunktur sind Kop fschmerzen. Zur Behandlung
dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so
z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte
der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß
auch für die Behandlung der Mig räne
mit
Schmerzakupunktur (noch) keine
wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Ein Migräneanfall kann mit der transkutane
Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) durchaus
gelindert werden, wenn diese Methode bei den ersten Anzeichen einer At tacke
durchgeführt wird,
manchmal kann sogar der Ausbruch eines Anfalls damit verhindert werden.
Bei vielen Mig räne-Patienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die an die
Halswir belsäule angrenzende
Mus kulatur, teilweise auch die Schultermuskulatur
verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik
als ergänzende Behandlung bewährt. Manchmal kann auch durch eine manuelle
Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Linderung
der
Migränekopfschmerzen erzielt werden.
Zu erwähnen wäre auch die Hydrotherapie
in Form von Wechselbädern der Extrem itäten (= Ar me, B eine) und/ oder Kneippschen Güssen.
Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende positive Effekt auf einer
neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich auch Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können Mi gränekopfsc
hmerzen
lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß
- und
Schmerzbewältigungstraining.
Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden. Zu diesem Wahlrecht gibt es mittlerweile auch ein Urteil des hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 1 KR 2/05):Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen. (Der Kläger hatte die Kur noch während des laufenden Prozesses in der von ihm bevorzugten Einrichtung auf eigene Kosten angetreten. Seine Krankenkasse wurde dazu verurteilt, ihm die Kosten für die Kur zu erstatten. Eine Revision gegen die Entscheidung ließ das Gericht erst gar nicht zu).
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